Texanisch Masturbieren für den Weltfrieden
Ich flaniere durch die Stadt, will mir in ADDIS DÖNERPALAST gerade eine Pizza
Rudi Völler besorgen (englischer Schinken, finnische Knoblauchwurst und drei
Lagen ukrainischer Hüttenkäse), als mir meine Freundin Agnetha auf Inline-Skates
entgegenstolpert. "Hey, lange nicht geseh´n. Wie geht´s dir?", rufe ich aus.
"Tut mir leid, hab' überhaupt keine Zeit.", keucht die Rollschuh-Virtuosin,
nachdem sie an der Stange eines Verkehrsschildes mühsam zum Stillstand gekommen
ist. "Ich muß zur Friedensdemo. Bin schon spät dran." "Friedensdemo? Ich dachte,
du bist bei den Jungen Liberalen?!", bringe ich noch hervor, aber da strunkelt
sie schon weiter durch die ortsansässigen Kot- und Müllberge. Während ich
ihr hinterher starre, muß ich unweigerlich daran denken, was der Rest meiner
früheren Freunde in den letzten Jahren so getrieben hat. Und plötzlich weiß
ich, warum ich schon seit gut acht Wochen dieses unangenehme KRIBBELN im Raucherbein
verspüre. Mitbürger, die sich seit dem Tag, an dem sie strunzvoll auf ihre
Abiturszeugnisse gereihert haben, gerade mal für den neuesten Trend der Piercingindustrie
zu interessieren wußten, stellen plötzlich fest, daß der Mensch ein Vieh und
die Welt schlecht eingerichtet ist. Und nun entwickeln sie Alpträume, hängen
sich nächtelang ans evangelische Seelsorgetelefon und zeichnen mit der vereinten
Macht ihrer Fernbedienungen dafür verantwortlich, daß wir anderen, die wir
eigentlich bloß Marienhof hatten gucken wollen, tag ein tag aus, die verkniffene
Visage von Peter Scholl-Latour ertragen müssen. Wenn der altgediente Indochina-Kämpfer
ausnahmsweise doch mal Pause macht, sprich: sich zu der Domina seines Vertrauens
zurückzieht, die ihn, nur mit einer Burka angetan, ganz sanft an die Paragraphen
der Scharia heranführt, tritt unweigerlich die Gesichtsruine des deutschen
Innenministers an seine Stelle. "Heißa, wo hat der Geistesgestörte bloß seine
Lippen gelassen?", möchte man jedes mal ausrufen, sobald der schlecht frisierte
Teckel seine s?wie zugenäht wirkende Fressluke zur täglichen Perforation der
Bürgerrechte in die Kamera drückt. Hat er die kleinen, rosa Faltenwürmer einfach
weggeleckt? Sind sie vom ständigen Gnibbeln, vom unaufhörlichen Schmatzen,
vom machtsehnenden Zusammenpressen der Kiefer gar zu Zellschutt zermalmt worden?
Man weiß es nicht, man steckt nicht drin - in dem maroden Gehirnkästchen.
Weder mit der Schlagbohrmaschine noch mit der Spitze eines Schlangenlederstiefels.
Ein Umstand, der zu bedauern ist, wäre dem ehemaligen RAF-GROUPIE eine gründliche
Lobotomie doch mehr als zu gönnen. Bis es so weit ist, heißt es den TV-Konsum
auf den Sender Neun Live zu begrenzen - das dort gezeigte Elend, verleiht
jeder politischen Krise (und sei sie auch noch so desaströs) umgehend den
Status eines Waldbrandalarms am Nacktbadestrand. Aber natürlich hat die aktuelle
Entwicklung auch ihre guten Seiten. Die türkische Großfamilie z.B., die unsere
rechtschaffend christliche Hausgemeinschaft schon seit Jahren durch das überlaute
Abspielen ausgesucht terroristischer Folklore zur Aufgabe ihrer weltoffenen
und demokratischen Prinzipien zu zwingen versucht, hat ihr Ausbildungslager
unlängst verlassen müssen. Nur einen Tag nachdem ich unseren Kontaktbereichsbeamten
davon in Kenntnis gesetzt hatte, daß sich der älteste Sohn der Sippe in der
Nachbarschaft auffallend hartnäckig nach Möglichkeiten zur Senfgasherstellung
erkundigt hätte, erschien bereits ein Sondereinsatzkommando des LKA, um die
schlecht getarnten Koranschüler unter dem begeisterten Applaus der restlichen
Mieter aus der Wohnung zu führen. Seitdem herrscht eitel Ruhe im Treppenhaus.
Es sei denn, die Frau des Kunst- und Gemeinschaftskundelehrers aus Etage zwo
übt neue Zwölftontechniken für ihr Orgasmusseminar. Hier fehlt zur Zeit leider
noch jede rechtliche Handhabe. Dafür hat der Schläfer, der mir unlängst am
Boulevard du Müntefering / Ecke Gina-Wild-Allee die Vorfahrt genommen hat,
die neue Parteilinie schon zu schmecken bekommen. Ein kurzer Anruf über Handy:
"Warten Sie Herr Wachtmeister, ich gebe eben die Beschreibung durch: Dunkel
stechende, ja geradezu handgranatengleiche Augen, absolut undeutsche Barttracht
und einen Krummsäbel auf der Hutablage." Schon war der Rowdy bis auf weiteres
aus dem Verkehr gezogen und in die Abschiebehaftanstalt verbracht worden.
Das war es dann aber auch an Erfreulichem. Es bleibt einfach zuviel liegen
im Moment, egal ob Schreib- oder Hausarbeit. Kein Wunder, wenn ohne Unterlass
Solidarität geübt werden soll. Ich übe jeden Tag sechs Stunden; drei Stunden
nationale Solidarität, drei Stunden internationale. Zwischendurch gehe ich
zu MC DONALD'S, wo ich mit anderen Nachbarn ehrenamtlich die Taschenkontrolle
am Eingang übernommen habe. Der SPIEGEL verkündet derweil das Ende der Popliteratur
und mahnt endlich Werke an, die Trost zu spenden und den verwirrten Schafen
die veränderte Weltlage zu erklären vermögen. Na, da bleibt wenigstens zu
hoffen, daß die gesammelten Werke Karl Mays noch einmal eine Neuauflage erfahren.
In diesem Sinne: Sport frei!
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